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Nach 4 Monaten in Togo, hier ein Blogtext, den ich vor 3 Monaten geschrieben habe

Autor: WiebkeMenne | Datum: 31 Januar 2013, 16:00 | Kommentare deaktiviert

Liebe Freunde und Bekannte, Interessierte und Leser!

Hier hört ihr nun das erste Mal etwas von mir auf meinem Blog. Irgendwie kann ich mich selten dazu aufraffen, etwas auf dem Computer zu tippen, aber da ich schon öfter angefangen habe, werde ich euch wenigstens die ersten geschriebenen Dinge schicken, damit ihr was zu lesen habt. Folgende Texte hatte ich noch nicht online gestellt, weil mir sie bereits nach einer Woche wieder unaktuell erschienen. Jetzt ist es schon so lange her, dass ich sie geschrieben hab, dass ich schon mit einem anderen Blick darauf gucke und sagen kann, dass sich bereits viel geändert hat. Vor allem was das Essen betrifft. Wenn ich daran denke, dass ich inzwischen fast jeden Tag Pate esse und das mit dem gesunden Ernaehren nicht ganz so gut klappt, seitdem ich herausgefunden habe, wieviele Leckereien in den Töpfen der Frauen an der Strasse auf mich warten. Ausserdem finde ich es gar nicht mehr so ekelig einen ganzen Fischkopf zu essen und habe das selbst heute morgen gemacht. Naja, ich stell einfach mal den Anfang rein, den ersten text habe ich nach 1 Woche in Togo geschrieben. den zweiten nach 3 wochen in Togo. Nun bin ich 4 Monate hier und habe mein abwechslungsreiches Alltagsleben gefunden. Mit meinem afrikanischen Tanztraining 4mal die Woche abends, 1 mal pro Woche Yoga mit meinem togolesischen profiyogi und natuerlich meinem wunderbaren Projekt, in dem ich 16-25 jaehrigen Schuelern Deutsch beibringe, bin ich sehr gluecklich. aber dazu spaeter mehr. Ich wollte beide eigentlich als erste Bloigeintraege schreiben, habs aber gelassen, aber hier sind sie:

 

Hallo meine Lieben!


Dies soll nun mein erster Blogeintrag in Togo werden. Am 16.09.2012 bin ich um 18:15 togolesischer Zeit (20:15 in Deutschland) am Aeroport International Gnassingbe Eyadema gelandet. Der Flug ging super reibungslos, um 10:30 war ich morgens in Hamburg losgeflogen und wie es der Zufall oder das Leben so wollte, saß ich direkt neben einem Mädchen, die auch nach dem Abitur für ein Jahr nach Lomé flog, um dort ihren Weltwärtsdienst zu beginnen. Wir taten uns in Paris Charles de Gaulle also zusammen und fanden zum Glück auf Anhieb den richtigen Weg zum nächsten Abschnitt des Terminals. Im Terminal 2D landeteten wir und mussten zum Terminal 2E laufen und kurz mit einer Bahn fahren. Man könnte meinen, dass die beiden Bereiche direkt nebeneinander liegen, tun sie auch, wir brauchten trotzdem exakt eine Stunde mit zügigem Gehen und ohne Verlaufen, um ans Ziel zu gelangen. Am Gate angekommen, trafen wir ca. 8 andere Freiwillige, die mit Taalke in Lomé arbeiten werden. Im nächsten Flugzeug saßen wir aber getrennt voneinander und ich lernte meinen Sitznachbar kennen, der im Finanzbereich von Lomé arbeitete und mich natürlich gleich zu sich und seiner Frau einlud und mir seine Kontaktdaten gab. Dieses schnelle Kontakte knüpfen und Leute kennen lernen und nicht einfach nur 6 Stunden während eines Fluges anonym nebeneinander sitzen, hatte ich schon auf dem Flug von Hamburg nach Dubai vor einem Jahr kennenlernen dürfen. Damals saß ein Inder neben mir, der wieder nach Hause flog und begeistert war, dass ich in sein Heimatland fliegen wollte. Er erzählte mir viel und gab mir seine Adresse in Goa. Außerdem schenkte er mir Schokolade im Flughafen Dubai und einen 100Rupienschein, weil ich noch kein indisches Geld hatte. Später erfuhr ich, dass dies recht viel Geld in Indien ist. Nun schweife ich nach Indien ab, das rührt daher, dass mich vieles hier an Brasilien und Indien erinnert. Vor allem an Brasilien und einige Situationen an Indien. Zurück zu Togo: Wie schon erwähnt heißt der Flughafen in Lomé "Aeroporte International Gnassingbe Eyadema". Als ich den Namen des "Präsidenten" las, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass ich für ein Jahr nicht in einer relativ freien Gesellschaft leben würde, in der man Witze über Angela Merkel machen darf. Ich bin mir selbst jetzt nicht ganz sicher, was ich hier hinschreiben sollte und was nicht. Das lebensgroße Portrait des Präsidenten in Militäruniform in der Flughafenwarteschlangenhalle wies uns darauf hin, dass er "Für immer in unseren Herzen" sein würde. Soso...Mich würde eine repräsentative Umfrage interessieren, wieviele Herzen ihn wirklich unterstützen. In der besagten Warteschlange musste ich dann eine gute Stunde warten, bis ich meinen Reisepass mit Visum am Schalter vorzeigen durfte. Durch die lange Wartezeit waren meine Koffer schon auf dem Fließband und ich konnte schnell zum Ausgang, wo ich in den Menschenmassen sofort ein Schild mit meinem Namen entdeckte. Ein grinsender Mann nahm meinen Koffer und ich konnte natürlich gar nicht anders, als zurück zu grinsen. Wir liefen zusammen zum Parkplatz und er fragte mich, wie der Flug war, ob ich eine gute Reise hatte. Dies war der erste Moment, in dem ich mein Französisch praktisch austesten konnte. Es war noch sehr holprig, aber mit meinen paar Vokabeln konnte ich mich ausreichend mit ihm verständigen. Wir fuhren im Auto durch Lomé und der Straßenverkehr hier erinnert mich sehr stark an den Indiens, auch wenn etwas weniger los ist. Eigentlich keine Verkehrsschilder, kaum Ampeln und Kreuzungen, an denen man einfach auf die nächste Lücke im Strom warten muss, um sie überqueren zu können. Sehr sehr sehr viele Motorräder, auf denen mindestens zwei Personen sitzen, oft ein Mann und eine Frau, eventuell noch mit einem Kind dazwischen, natürlich so gut wie alle ohne Helm, Schutzkleidung erwähne ich gar nicht. Das hört sich für europäische Ohren sehr chaotisch und gefährlich an, vielleicht ist es das auch, aber es funktioniert wunderbar! Die Gefährte fahren an den Knotenpunkten nicht viel schneller als 30km/h und so haben auch noch Fußgänger und Radfahrer die Möglichkeit, die Straße unbeschadet zu überqueren. Was bereits in Indien und auch hier angenehm zu beobachten war: Es wird zwar immer wieder gehupt und im Grunde schneidet jeder jedem irgendwie immer mal wieder den Weg ab und man muss bremsen oder ausweichen, trotzdem verhalten sich die Menschen keineswegs aggressiv oder ungeduldig. Niemand wird für den unstetigen Weg des Anderen verantwortlich gemacht. Das Vertrauen ins Überleben wird an das Leben gegeben, an Gott, an die Kraft im Universum, die alles gut macht. Und so fließt das Leben und der Verkehrsstrom ihre Wege. Wir brachten meine Koffer weg in das Hauptgebäude der Kirchenleitung in Lomé. Dort habe ich für eine Woche ein eigenes nettes Gästezimmer mit Ventilator und Schlüssel, in dem ich auch gerade sitze und schreibe. An diesem Abend gingen wir mit seiner Ehefrau in einem verhältnismäßig edlen Restaurant Fisch essen. In Deutschland war ich Vegetarier mit Tendenz zum Veganen und hatte mir vorgenommen, mich in Togo wieder gesünder zu ernährend. Vorhaben fehlgeschlagen. Es wäre sehr schwierig und kompliziert gewesen (vor allem mit meinem holprigen Französisch), ein Essen ohne Tier zu bekommen und ihnen zu erklären, warum ich dies nicht essen möchte. Ich verzichte aus rein ethischen aber auch aus Ernährungsgründen auf Tier. Deshalb entschied ich mich, den Fisch mkit Kopf ohne Auge zu probieren. In Kpalimé werde ich mich selbst versorgen, dann kaufe ich mir kein Tier und ernähre mich wieder weitestgehend vegetarisch. Dazu gab es Zuckersaftlimo und vorweg zum knabbern frittierte Maniokstückchen, die schmecken wie Chips nur etwas härter sind, sodass man richtig knabbern kann. Das gefällt mir gut.

Nun bin ich schon den 4. Tag in Lomé und habe so einiges gesehen, gerlent und erlebt. Bisher konnte ich noch gar nicht vegetarisch essen, weil überall entweder Fisch, Huhn oder Rind drin ist. Ich will aber nicht unfreundlich sein und probiere alles, bisher mochte ich auch alles. Gestern nahm sich mir eine Frau aus dem Büro an, (mein "Flughafenabholer" Emmanuel ist gerade in Kpalimé auf einer Konferenz) die mit mir zur Bank ging, um Geld zu holen, mein Handyguthaben auflud, mir zwei super europäische Supermärkte zeigte, in denen es Maggiprodukte, Barillanudeln, Nettotomatensoße und Kilopakete Räucherstäbchen aus Indien gab. Dies scheint hier in der Großstadt, in der ich auch immer wieder Weiße sehe, normal zu sein. Dann machte sie mir Mittagessen: Frittierte Kochbananen. Es sind keine Bananen, man kann sie nicht roh essen, sie sehen aber so aus, sind nur dicker und größer. Und schmecken frittiert ähnlich wie warme Bananen, nur weniger süß. Die Kochbananenstücke durfte ich in Hühnchensud tunken. Die süßliche Note der Bananen mit der sehr scharfen roten würzigen Hühnchensoße schmeckte sehr gut. Dann kochte mir die Frau, die mich in der Beziehung zu mir sehr an meine Gastmutter in Brasilien erinnert, (ihr Ziel: mich zufriedenzustellen, mir genug und lecker Essen zu kochen (fast zu viel!) und wie eine Mutter für mich zu sein) Reis, den ich mir am Abend selbst mit der Hühnchensoße und den Stücken warm machen sollte. Dies tat ich auch, wobei es eine Riesenportion war (ich bin ja eigentlich keine schlechte Esserin) und für meinen Geschmack etwas zu scharf...Denn es scheint so, als würden die Togolesen allen warmen Gerichten mehrere grüne sehr sehr scharfe Chilichoten zufügen. Am nächsten Tag kochte mir die Mutti (ich nenn sie jetzt einfach mal so, weil ich nicht weiß, wie sie geschrieben wird) Spaghetti mit Tomatensoße. Für mich wären die Nudeln mit der Soße schon genug gewesen, sie verfeinerte die Soße aber noch mit Zwiebeln, Paprika, ganz wenig Chili (auf meinen Wunsch hin), geräuchertem Fisch (Dorade) samt Kopf und einem Paketchen Hühnersud in Pulverform von Maggi. Wer mich kennt weiß, wie ich zu Maggi, Knorr und Geschmacksverstärkern (z.B. Mononatriumglutamat) jeder Art stehe. Diese sind nämlich im Grunde in allen Maggiprodukten zu finden, wenn nicht explizit gekennzeichnet, dann als "Hefeextrakt". In Deutschland "müssen" die Firmen immer mehr diesen Euphemismus verwenden, damit die Menschen ihre Produkte kaufen, da sie immer aufgeklärter werden, über das, was sie essen und das Wort "Glutamat" immer mehr Menschen abschreckt.

 

Hallo liebe Freunde, Bekannte und Unbekannte! Schön, dass ihr meinen ersten Blogeintrag lesen wollte! Er wirkt vielleicht ein bisschen lang, aber ich konnte nicht anders. Dafür werdet ihr wahrscheinlich nicht so oft etwas von mir hören, jetzt umso ausführlicher. Ich hoffe, ich habe einige interessante Dinge beschrieben. Natürlich ist alles aus rein subjektiver Sicht geschrieben. Ich würde mich sehr über Rückmeldungen, Kommentare etc. Freuen! Ich bin nur nicht so oft im Internetcafé.

An einem Sonntag abend vor fast 3 Wochen war ich in Lomé am Flughafen gelandet. Dort verbrachte ich 1 1/2 Wochen im Bloc Synodal, das ist das Gebäude der Kirchenleitung in Lomé, was in etwa mit dem deutschen Oberkirchenrat zu vergleichen ist. Hier konnte ich die ersten afrikanischen Spezialitäten probieren, die extra für mich von der überaus sympathischen und mütterlichen Kassenwartin Madame Mambal in der hauseigenen Küche zubereitet wurden. Ich bezog dort ein eigenes Zimmer, stand, bis auf den ersten Tag, jeden Tag um 7 Uhr auf, um zu frühstücken und dann den Tag fließen zu lassen. Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne sehr lange schlafe und 7 Uhr für einen schulfreien Tag sehr früh für mich ist. Wer Afrika oder andere tropische Länder kennt, weiß, dass der Tag der meisten Menschen hier allerspätestens um 6 Uhr beginnt, weil die Sonne um halb 6 Uhr aufgeht und man die klimatisch gemäßigten Stunden des frühen Morgens gut für Erledigungen nutzen kann. So verschob ich meinen Tagesrythmus und ging jeden abend spätestens um 22 Uhr schlafen, um morgens schön fit zu sein. Mein "Betreuer" und Flughafenabholer Emmanuel hatte mir für mein Frühstück Sachen eingekauft: Diätaprikosenkonfitüre, Schmierkäse, der übersetzt "Die Kuh, die lacht" heißt (was für eine Ironie!), Mayonaise, gesalzene Butter und weißes Baguette. Dazu machte er mir Kakao mit Kakaopulver, Wasser und Milchpulver. Hätte ich nicht schon ein Jahr in Brasilien gelebt, hätte ich mich sowohl über die Mayonaise, als auch über das Milchpulver gewundert, doch so freute ich mich, dass mich dieses Frühstück so an Brasilien erinnert und ließ mir das Baguette mit Mayonaise oder Butter schmecken. Trotzdem fehlten mir etwas die heißerwarteten Früchte...und natürlich das deutsche Vollkornbrot. Aber dass es das in Togo nicht geben würde, wusste ich ja vorher. Am nächsten Tag wurden mir dann schon die gewünschten Früchte gekauft: grüne saftige kernreiche Mandarinen, kleine süße Bananen und eine Riesenpapaja. Ich bot immerzu an, mich an den Einkäufen zu beteiligen, bzw beim Kochen zu helfen, aber die netten Frauen aus dem Büro wollten meine Gastgeber und auch irgendwie Ersatzmuttis sein und ließen mich nur zuschauen. Nach zwei Tagen abendlichem warmem Essen, sagte ich Madame Mambal, dass ich auch gerne Salat esse und so machte sie mir jeden Abend einen Traumsalat, aus gekochten Bohnen und Möhren, frischen Tomaten, Zwiebeln und Weißkohl. Sie meinte es sehr gut mit mir und wollte auf keinen Fall, dass ich unter Hunger litt, sodass ich jeden Mittag zwischen 12 und 13 Uhr vor einem Riesenteller mit einer Teighauptspeise und tierhaltiger Soße saß. In Deutschland war ich Vegetarier, hatte mir jedoch vorgenommen, in Togo alles probieren zu wollen, vor allem, weil die Togolesen wirklich jedes Hauptgericht mit Tier (Fisch, Huhn, Rind) kochen. Am meisten habe ich Fisch gegessen, der immer komplett mit Kopf und auch mit Auge in der meist roten und scharfen Soße gekocht wird. Dadurch muss man beim Essen sehr aufpassen, dass man die Gräten rechtzeitig aus dem Mund pult, bevor man sie mit den flutschigen Spaghetti verschluckt. Denn auch die Nudeln werden nicht nur mit "normaler" Tomatensoße gegessen, sondern mit kompletter Fischeinlage. Mein togolesischer Kumpel Didier erzählte mir, dass man sehr schlau wird, wenn man den Kopf und das Auge des Fisches isst und verspeiste diese beiden genüsslich vor meinen Augen. Auch habe ich einmal Krebsfleisch probiert. Dafür wusch Madame Mambal die ganzen Krebse und haute dann solange mit einem großen Messer auf die Gelenke der Tierchen, bis die einzelnen Schaufeln und Ärmchen auseinanderbrachen. Dabei entstanden ziemlich genau die Geräusche, die beim Brechen von Knochen entstehen. Danach wurde der zerlegte Krebs in Wasser gekocht. Sie gab mir eine Krebszange und ich musste mit den Zähnen das Fleisch aus ihr herausbeißen. Plötzlich steckte mir etwas Krebsschale zwischen den Zähnen, die mich an die Konsistenz von Muscheln erinnerte, also wirklich extrem hart war. An einem anderen Tag gab es Hühnchensud zum Teiggericht "Pate". Leider was dies das einzige Mahl, was ich nicht aufessen konnte, weil ich entdeckte, dass ich doch nicht jedes pflanzliche Essen auf dieser Erde mag. Das "Pate" ist aus Maismehl hergestellter Brandteig (also mit Wasser in einem Topf zu einem Klumpen "gebrannt") und dieses war fermentiert und erinnerte mich vom Geschmack an einen gekochten Mehlklumpen mit viel Essig.Vielleicht wäre es ähnlich für einen Togolesen, wenn er deutsches Sauerkraut (das ich gerne esse) probiert? Es soll auch nicht-fermentiertes Pate geben, das hab ich bisher jedoch noch nicht probiert.

Nach einer gut bekochten Woche in Lomé und etwa 2 Kilo mehr auf den Rippen (die auch etwas fülligeren Frauen im Kirchenbüro freuten sich schon darüber, dass ich in Togo zunehmen und aussehen würde wie sie^^), wurde mein Drang immer größer, endlich in meine neue Heimatstadt Kpalimé, die etwa 120km nördlich von Lomé liegt, umzuziehen. Ich freute mich auf meine eigene Wohnung, auf die Selbstverpflegung und darauf mich wieder (nach meiner Meinung) gesünder und vegetarisch zu ernähren. Zuerst wurde mir gesagt, dass ich nur 5 Tage in Lomé bleiben würde, also Freitag nach Kpalimé aufbrechen sollte. Dann wurde es doch Sonntag und dann Montag und als ich Montag schon mit gepackten Koffern bereit stand, kam die Info, dass ich Mittwoch zusammen mit dem Secretaire Synodal (das ist sozusagen die rechte Hand des Bischoffs) losfahren sollte. Bei diesen wechselnden Informationen von allen Seiten (und irgendwie weiß niemand gar nichts so richtig) kann man afrikanische Geduld und Gelassenheit erlernen.Den netten Secretaire Synodal durfte ich bereits in Deutschland im Haus der Norddeutschen Mission kennen lernen, leider konnte ich im Juni noch kaum Französisch sprechen und ich merkte mir nur sein Gesicht und immerhin seinen Namen. Diesen sah ich dann am 2. Tag in Lomé das erste Mal im Büro des Bischoffs wieder, als mir auch dieser vorgestellt wurde. Er lud mich daraufhin am gleichen Abend zum Essen in sein Haus ein, wozu er mich persönlich mit dem Auto abholte (sonst fährt er immer mit Chauffeur). Zwei Töchter begrüßten mich recht distanziert, die dritte und mit 19 Jahren die jüngste war mir gegenüber offener. Richtig unterhalten wollten sie sich trotzdem nicht. Erst als eine der beiden älteren Töchter mit ihrem Handy ein brasilianisches Lied abspielte, was sie wohl gerne hört, fanden sie es interessant, dass ich die Bedeutung des Textes erklären konnte und wir sprachen etwas über togolesische Musik. Der einzige Künstler, den ich bis dato kannte, war "Toofan", der mich mit seinen Vibes in meinem Nordenhamer Zimmer bereits zum Tanzen gebrachte hatte. Die Mädels erzählten mir, dass dieser Toofan ihr übernächster Nachbar ist. Das fand ich schon sehr lustig, wobei es bei 6 Millionen Menschen in Togo im Reichenviertel (erkennt man an den Mauern auf denen zahlreiche Glasscherben festgeklebt sind) von Lomé nicht so unwahrscheinlich ist, jemanden bekanntes neben sich wohnen zu haben. Die Frauen bereiteten Grillspieße mit Rindfleisch, Tomate und Zwiebel zu, die wirklich sehr sehr gut schmeckten. Dazu gab es frittierte Yamswurzel, ähnlich wie sehr dicke Pommes, Reis und scharfe Sauce. Außerdem wurde eine Flasche französischer Wein geöffnet, ich probierte den guten Whiskey des Hausherrn, der diesen mehrmals probierte und ich trank noch ein Dosenbier. Gegen 21 Uhr setzte er sich dann ans Steuer, um mich nach Hause zu bringen. Die Töchter kamen mit, was eine witzige Autofahrt war, weil wir irgendwie alle ganz gut bedüdelt waren. Aus Brasilien war mir schon bekannt, dass man in den meisten Autos hier vergeblich nach den Anschnallgurten auf dem Rücksitz suchen kann - keine Überraschung. Aber ich weiß ja, dass Gott das Steuer lenkt und nicht der Alkohol ;-). Wir machten noch einen kurzen Abstecher bei seinem Bruder, wo ich wieder aus allerlei Flaschen ein Getränk wählen konnte. Ich wählte einen schwachen süßen roten Liqueur aufgefüllt mit Sprudelwasser, sollte dann aber auch noch einen klaren selbstgebrannten Schnaps aus irgendwas probieren. Gut, dass ich nicht so zimperlich bin. Das war ein schöner Abend.

Die ersten beiden Tage wusste ich erst nicht so recht, was ich mit meiner vielen Zeit anfangen konnte. Die Angestellten der Kirchen mussten alle arbeiten und ich hatte den ganzen Tag nichts bestimmtes zu tun. So lernte ich erstmal einige Vokabeln französisch, weil meine Sprachkenntnisse in den ersten drei Tagen doch noch recht dürftig waren. Mit meinem Buch wollte ich an den Strand gehen, der nur 3 Gehminuten von meinem Quartier entfernt war. Es hätte mir jedoch klar sein können, dass ich keinesfalls alleine am Strand bleiben und dort "in Ruhe lernen" könnte. Kaum war ich dort, sprach mich der erste Kerl an, der mich einlud, mir die Stadt etc zu zeigen. Zum Glück konnte ich mir mit meiner standhaften bestimmten Art auch die nächsten 3 Männer fern halten, denn ich war von der Kirche mehrmals vor Dieben am Strand gewarnt worden. Dann liefen 6 kleine Jungs auf mich zu, mit denen ich dann eine Stunde im Sand saß und mich unterhielt. Sie fanden mein Französischbuch sehr interessant und auch meine Haut und einer der Kleinen schlief gleich in meinem Schoß ein. Sie waren 8-12 Jahre alt und freuten sich, als ich Fotos von ihnen machen wollte. Die habe ich bereits im Blog hochgeladen. Als ich zu meinem Quartier aufbrechen wollte, kletterte einer der Jungen eine Kokosnusspalme am Straßenrand hinauf und warf mir zwei Nüsse hinunter. Mit einer Kokosnuss unter jedem Arm ging ich dann die Straße zurück und die Togolesen, denen ich begegnete, amüsierten sich irgendwie prächtig über mich.

2 Tage später durfte ich meinen ersten togolesischen Freund Didier und seinen Bruder Denis kennen lernen. Sie sind die Söhne von einem Chauffeur der Kirche und gehen, wie alle guten Gläubigen hier jeden Sonntag in die Kirche. Didier ging mit mir auf den Markt, um das fermentierte Pate zu kaufen und zeigte mir dort so einiges. Außerdem waren wir lange am Strand, was mit männlicher, togolesischer Begleitung doch einfacher ist, weil man dann wirklich ungestört bleibt. An diesem Tag lernte ich sehr sehr viel Französisch, weil wir uns viel unterhielten, ich von Deutschland erzählte und versuchte, ihm die Unterschiede darzustellen. Abends hörten Didier, Denis und ich mit meinem Laptop und den superguten kleinen Lautsprechern, die ich am letzten Tag in Deutschland noch gekauft hatte (eine super Idee!!) deutsche Musik, wie "Peter Fox", "Chulcha Candela", "Wir sind Helden" und ich zeigte den Jungs auch etwas Goa, elektronische Tanzmusik, zu der ich in Deutschland viel tanzen gehe. Sie mochten alle Lieder sehr gerne. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an meinen Bruder Jan, der mir sein kleines Laptop (das ist soo super und praktisch!), auf dem ich gerade schreibe, noch kurz vor der Abreise zugeschickt hat und mir so einige gute Musik und auch Filme hinterlassen hat, von denen ich schon gut zehren konnte. Und an unseren Freund Vincent, von dem ich weiß, dass viel Musik und die Filme ihm zu verdanken sind! So kann ich nun in Togo unter anderem indische Pooja- und Chartmusik hören. Brasilianische Musik habe ich mir selber mitgebracht, dieses multikulturelle Sein amüsiert mich innerlich immer wieder.

Mein Französisch ist übrigens ziemlich schnell besser geworden, ich hatte mir doch gedacht, dass die in meinem Kopf bereits vorhandenen portugiesischen Vokabeln mir mit dem Lernen der doch sehr ähnlichen Sprache helfen würde. Und nun ist es so, dass ich wieder anfange auf portugiesisch zu denken, gut gemischt mit französisch und von Tag zu Tag nimmt das Französosisch mehr Raum ein.

Nun habe ich einiges in einem Schreibfluss bei Regenwetter runtergeschrieben und hätte noch so vieles zu erzählen, aber ich denke es ist einfacher, wenn ich erstmal kurz zusammenfasse, wie ich aktuell lebe, denn bisher habe ich nur von meinem Aufenthalt in Lomé erzählt. Letzte Woche Mittwoch bin ich also in Kpalimé angekommen und durfte abends gleich meine eigene Wohnung beziehen. Obwohl ich in Deutschland schon wusste, dass es eine "eigene Wohnung" werden würde, hatte ich doch mit weniger gerechnet und so habe ich jetzt wirklich eine schöne afrikanische 2-Zimmer-Wohnung mit großem Wohnzimmer, externer Küche, Vorratsraum und Badezimmer mit europäischer Dusche und Toilette. Sie befindet sich im 1. Stock, direkt über der Schule und nach vorne raus habe ich einen schönen Balkon, auf dem ich z.B. frühstücke oder abends den Sonnenuntergang betrachte. Mein Zimmer ist auf der anderen Seite, sodass ich morgens vom Licht der aufgehenden Sonne geweckt werden kann, was wunderbar ist. Die Küche ist mit einem Gasherd und sogar einem Kühlschrank ausgestattet und ich habe nun schon des öfteren für mich gekocht, z.B. Couscous mit Gemüse,Reis, Spaghetti mit Tomaten-Gemüsesoße, verschiedene Salate und Spaghetti mit Erdnuss-Gemüsesoße (einfach mal ausprobiert ohne Rezept, hat super geschmeckt!). Ich essen jeden Tag ungefähr eine superleckere Avokado, meistens auf Brot oder einfach so als Salat mit Tomaten und Zwiebeln. Jeden Morgen eine halbe große Papaja oder eine Ananas, Orangen, Mandarinen und Bananen. Ich habe mir jetzt auch schon öfter einen frischen Orangen-Pampelmusensaft gepresst. Hier kann ich mich nun also nach meinen eigenen Vorstellungen und Wünschen ernähren. Zu Hause koche und esse ich so gut wie vegan, ich habe mir aber auch schon mal ein Ei gekauft. Die Hühner und Ziegen hier laufen alle frei herum, die Eier sind sozusagen von "glücklichen Hühnern" und das spätere Fleisch der Tiere auch. Gestern habe ich das erste Mal außer Haus Fufu gegessen. Dafür bin ich eine Straße weiter gegangen, wo ein paar Frauen gekochte Yamswurzel in einem Holzbottich mit Holzmörsern mit Wasser zu einem Brei stampften, bis es eine homogene Masse ergab, ähnlich wie Semmelknödel. Dann sagt man, für wieviel Geld man Fufu essen möchte, z.B. 200 Francs (1€ = 650 Francs) und dazu noch Sauce mit Fisch, Ziegenfleisch oder Rindfleisch. Die Sauce war für meinen Gaumen schonr echt scharf, so wie alles, was die Togolesen gerne essen, sehr scharf zubereitet wird, mit viel frischem Chilli. Außer Haus probiere ich also alles, was es gibt und esse alles, was für mich zubereitet wird. Ich würde es befremdlich finden, wenn ich als Gast in einer tologesischen Familie sitze und das Essen ablehne, nur weil es nicht vegetarisch ist, die Menschen würden die Welt nicht mehr verstehen. Die paar Leute, denen ich erzählt habe, dass ich zu Hause kein Tier esse, haben auch nicht wirklich verstanden warum. Naja, mir geht es hier auch um meine Gesundheit und darum, möglichst mein Gewicht zu halten und in diesem tropischen Klima nicht auseinanderzugehen wie eine Kugel. Dabei helfen mir meine eigenen Kochkünste ungemein. Dazu muss ich sagen, dass mein Jahr in Brasilien und auch die 5 Wochen Indien, in denen ich meinen Bruder dort besucht habe, mich sehr gut auf meinen eigenen Haushalt in Togo vorbereitet haben. Ich liebe es, mit einem Gasherd zu kochen, seit ich in Brasilien war und dort habe ich auch gelernt, dass man die Metalltöpfe ab und zu von unten richtig schrubben muss, um den Ruß zu entfernen, der sich ansammelt. In Indien mussten wir unsere Wäsche von Hand waschen (natürlich, wie auch sonst) und hier kaufte ich mir gleich eine Seife auf dem Markt, um damit zu beginnen. Mir fiel sofort das Lied in etwa "Seht nur die fleißigen Waschfrauen" aus meiner Kindheit ein und ich muss sagen, dass so ein Haushalt für eine Frau mit bis zu 10 oder mehr Kindern (2 Kinder sind selten) hier wirkliche sehr anstrengend sein muss, ich schwitz ja schon bei meiner eigenen Wäsche.

Ich kann mir hier auch einige Gemüsesorten zubereiten, die ich nur aus brasilianischem Klima und dort aus der Küche meiner Gastmutter kenne und ich bin sehr froh, dass ich ihr damals so oft über die Schulter geguckt habe. Und natürlich habe ich sehr viel von meiner lieben Oma und meiner lieben Mutter gelernt, sodass ich mir hier auch schon Bohnensalat aus frischen grünen Bohnen, die ich von unserem Pförtner geschenkt bekam, machen konnte, oder allgemein einfach viel ausprobiere, was zusammen schmecken könnte und bisher war es immer gut. Ich lebe hier also ziemlich eigenverantwortlich. Fast jeden morgen gehe ich vom Schulgelände, begrüße den Pförtner, gehe zu seine Frau, die ihren Stand, wie viele andere Frauen auch, direkt an der Straße hat und kaufe mir mein Gemüse und Obst für den Tag. Eine andere Frau verkauft mir meine Avokados und eine andere Frau ab und zu das Weißbrot. Nach einer Woche kennt man mich schon langsam und die Frauen wissen, wie gerne ich Früchte essse und geben mir auch mal eine Mandarine oder kandierte Mandeln zum probieren. Die Nüsse sind hier sowieso auch sehr sehr lecker, die Erdnüsse viel kleiner als in Deutschland und feiner im Geschmack. Ich denke mir: Sollte ich hier zunehmen, dann ist es vor allem das viele pflanzliche Fett der Avokados und Nüsse und der Fruchtzucker der Früchte. Am meisten hat mich die Ananas fasziniert, die war mir auch aus Brasilien nicht soo süß in Erinnerung geblieben, wie sie hier ist, das ist wirklich unglaublich! Sie schmeckt im Grunde schon so süß, wie unsere Ananas aus der Dose, nur ganz ohne extra Zucker, weil ich sie selbst frisch aufschneide.

Ich glaube, ich könnte mit meinen Eindrücken hier schon fast ein ganzes Buch schreiben, deswegen ist es fast schwierig für mich, für diesen Blog zu schreiben, weil meine Gedanken sich überschlagen und ich doch recht ausführlich die einzelnen Themen beschreibe.

Meinen Arbeitsplatz werde ich erst an diesem Montag antreten, weil dann die Ferien zu Ende sind. Ich weiß jedoch schon, dass ich die letzte Klasse der Schule, also die Schüler vor dem Abitur und die vorletzte Klasse in Englisch und Deutsch mitunterrichten werde. Ich darf mich jedoch nicht mit den Schülern anfreunden, auch wenn sie in meinem Alter sind, weil ich immernoch Respektsperson bleiben soll. Mein offzieller Betreuer hier ist Musiklehrer und hat ein Jahr in Deutschland in Bremen, Osnabrück und sogar in der Schweier Kirchengemeinde verbracht! Er heißt Jean-Paul Nenonene und hat einen eigenen Chor, in dem viele Lieder, die er selbst geschrieben hat, gesungen werden. Dem bin ich letzte Woche beigetreten und ich singe jetzt jeden Freitag abend auf Ewe mit ihm Chor. Dadurch habe ich vielleicht auch die Möglichkeit etwas Ewe zu lernen.

Soo, ich beende jetzt diesen langen Blogtext, weil mir immer mehr einfällt, aber das kann ich ja auch noch im Laufe dieses Jahres schreiben.

Ich grüße alle ganz lieb, vor allem erstmal auf diesem Wege meinen Chor Magnificat in Nordenham, der mir noch so schöne Wünsche mit auf den Weg gegeben hat: Danke!!! Das Magnificat singe ich hier öfter morgens um wach zu werden.

Alles Liebe an euch alle! :)

eure Wiebke